Das Gottesurteil zu Burg an der Wupper

Der Graf von Berg hielt einst eine Gerichtsverhandlung in der Burg ab.
Als die Schöffen um ihn versammelt waren, traf Engelbrecht von Boldenberg auf und beschuldigte den anwesenden Schöffen Ritter Gerhard von Steinbach des Mordes und Verrats; er habe den Ritter Gerlach von Scherven im Schwelmer Walde heimlich überfallen und meuchlings erschlagen.
Voll Grimm erhob sich also der Beschuldigte, wies die Anklage mit Entrüstung zurück mit der Versicherung, sein Gegner im ehrlichen Zweikampf besiegt zu haben.
Aber der Kläger führte, nach altem Brauch entsprechend, seine Zeugen vor, welche seine Aussagen beschworen.
Die Folge war, dass Gerhard der bezichtigten Verbrechen für schuldig erklärt und in Acht gethan wurde.
Im höchsten Zorn schwang er sich auf sein Roß, nahm Schild und Speer und forderte Engelbrecht zum Zweikampf auf. Dieser aber verweigerte den Kampf mit einem Geächteten.
Da rief Gerhard voll Verzweifelung aus:
Bleibt mir den kein Mittel, Ihre Herren, meine Unschuld vor Euch zu erweisen, so ruf ich das Zeugnis Gottes selber an!
Dann sprengte er hart an den Rand der Felswand, gab dem jäh aufbäumenden Roß die Sporen und stürzte in die Tiefe herab.
Alles drängte sich an den Abgrund, in der Gewissheit, Roß und Reiter unten zerschmettert zu sehen.
Aber der mutige Ritter saß wohlbehalten auf seinem Roß, das eben die Wellen der Wupper verließ. Hoch hielt er kühn Schild und Speer in der Hand. Von dem Berghang aber stürzten noch Steine und Geröll in die Tiefe.
Auf dem jenseitigen Ufer wandte sich der Ritter um und rief, auf seinen Pfad deutend:

So mag, was dort grünet verdorren und nimmer dort ein Halm sprießen, auf das ein ewiges Mal bleibe zum Gedächtnis, wie Gott die Unschuld rettet!
Das Wort erfüllte sich, und bis heute wächst an jener Stelle weder Strauch noch Gras.